Vorwort

 

Vorwort

Übersetzung und Bearbeitung: Alexander Krusche

Synthetische Polymere, allgemein bekannt als Kunststoffe, sind zum ersten Mal in der langen Geschichte der Meere zu einem festen Bestandteil der Meeresumwelt geworden. Keine Entnahme von Bodenproben jeglicher Art wird antike Ablagerungen von Kunststoffen aufzeigen oder biologische Auswirkungen hoher Konzentrationen von synthetischen Polymeren im prähistorischen Ozean der Erde. In aktuellen Eis- und Sediment-Proben findet sich jedoch eine Fülle dieser Materialien. Nur die Verbindung vieler traditioneller wissenschaftlicher Bereiche kann die Auswirkungen dieser neuen Schadstoffe aufdecken. Es ist außerdem bedauerlich, dass ein Forschungsfeld durch etwas entsteht, das die Natur gefährdet, und nicht durch Erkenntnisse über natürliche Phänomene.

Berichte von Kunststoffen in der Meeresumwelt kamen zuerst in den frühen 1970er Jahren auf. Edward Carpenter von der Woods Hole Oceanographic Institution vermutete damals, dass das Problem wahrscheinlich größer werden würde und dass dadurch auch toxische, nicht-polymere Substanzen in Kunststoffen, sogenannte Weichmacher, auf Meeresorganismen übertragen werden könnten. Carpenters Vermutungen waren richtig und das wohl in größerem Ausmaße, als er gedacht hatte. Die Menge von Kunststoffen im Ozeanwasser ist enorm angestiegen und giftige Kunststoffzusätze sowie von Kunststoffen aus dem umgebenden Meerwasser angezogene Giftstoffe wurden in vielen Meerestierarten festgestellt.

Der rasche Anstieg der Verwendung von synthetischen Polymeren im letzten halben Jahrhundert lässt den Begriff „Zeitalter der Kunststoffe“ für die heutige Zeit angebracht erscheinen. Es ist kein wirkliches Geheimnis, warum Kunststoff zum vorherrschenden Material der heutigen Zeit geworden ist, denn der Gebrauchswert des Materials ist wirklich überraschend. Kunststoffe können fast jedes traditionelle Material von Textilien bis hin zu Metall ersetzen und bieten Qualitäten, die in natürlich vorkommenden Stoffen unbekannt sind. Aus diesem Grund stützt sich eine weltweite Industrie auf sie. Die Kunststoff-Industrie wächst stark und es zeigen sich keine Anzeichen für eine Verlangsamung des Wachstums in absehbarer Zukunft. Außerdem werden weitere Einsatzmöglichkeiten und neue Produkte geschaffen. Laserdruck mit „Kunststofftinte“ führt dazu, dass polymere Stoffe auch in Zukunft verwendet werden.

Obwohl der Großteil der heute verwendeten Kunststoffe auf der Basis von Erdöl produziert wird (und die Erdölvorkommen endlich sind), kann das Kohlenstoff-Grundgerüst der synthetischen Polymere auch aus einem bestimmten Präriegras, Sojabohnen, Mais, Zuckerrohr oder anderen nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden – allein der Preis bestimmt, wofür sich die Branche entscheidet.

Die Tatsache, dass synthetische Polymere aus in Reihenkultur angebauten Pflanzen gewonnen werden können (die dann als Biokunststoffe bezeichnet werden), hat nicht unbedingt etwas mit ihrer biologischen Abbaubarkeit zu tun. Olefine bleiben trotzdem Olefine und Acrylate bleiben Acrylate, die sich jeweils wie ihre aus Erdöl hergestellten Gegenstücke verhalten. Darüber hinaus folgt die biologische Abbaubarkeit in der Meeresumwelt eigenen Gesetzen, und die Abbaubarkeit im Meer bedarf eines eigenen Standards. Kunststoffe, die im Meer abgebaut werden können, haben einen vernachlässigbaren Marktanteil und werden nach heutiger Sicht auch nicht weiter in den Verbrauchermarkt für Kunststoffe vordringen. Wegen der Schwierigkeit, Kunststoff zu recyceln, ist dessen profitable Verwertung ein Problem geworden, was wiederum zum Fehlen einer Rücknahme-Infrastruktur und zu beschleunigter Verschmutzung führt.

Angesichts der Verbreitung von Kunststoffen in allen Bereichen menschlicher Aktivität und ihres zunehmenden Gebrauchswerts in den Entwicklungsländern, werden wissenschaftliche Untersuchungen über die Kunststoff-Verschmutzung der Meeresumwelt weiterhin wichtig bleiben. Diese Studien sind allerdings durch den Mangel an grundlegenden raumbezogenen Geodaten und an quantitativen Daten eingeschränkt. Schätzungen, die auf eingeschränkten Stichproben und Modellen basieren, gibt es im Überfluss, aber das Meer ist der bei weitem größte Lebensraum des Planeten und Wissenserwerb über seine Verunreinigung durch Plastik wird neue Methoden der Datenerfassung erfordern. Die Bedeutung der Bürger bei der Überwachung der Kunststoff-Verschmutzung wird in den kommenden Jahren wachsen und die wirklich „großen“ Daten, die sie dokumentieren, müssen Bestandteil der wissenschaftlichen Bearbeitung der Kunststoff-Verschmutzung werden. Fürs Erste ist es ein Glück, dass einige Wissenschaftler auf der ganzen Welt Pionierarbeit bei dem Versuch leisten, die Folgen der Heimsuchung durch Kunststoffe, die unseren kostbaren Ozean verunreinigen, zu verstehen.

 

Long Beach, Kalifornien Captain Charles James Moore http://www.algalita.org

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